Wo sind meine Vögel hin?

Viele Vogelfreunde, die auch im Sommer an den Futterstellen die Singvögel gefüttert haben, stellen fest, dass im September und Oktober deutlich weniger Vögel die Futterstellen aufsuchen.

Buntspecht

Sie sind dann häufig verunsichert und meinen dass vielleicht das falsche Futter oder die streunenden Katzen zu einer Abnahme der Besucher an den Vogelhäusern geführt haben.

Es gibt jedoch fünf einfache Erklärungen und Gründe für den Rückgang im September und Oktober.

1.

Die Brutzeit ist vorüber und somit besteht ein wesentlich geringerer Bedarf an zusätzlichem Futter. Während der Brutzeit fliegen zum Beispiel Meisen bis zu 350 mal zu ihrem Brutplatz um die Jungen zu füttern. Dabei werden zwar hauptsächlich Insekten verfüttert, aber da die Insektenpopulationen dramatisch abgenommen haben, ist immer häufiger zu beobachten, dass Meisen auch zu den Futterstellen fliegen und angebotenes Fettfutter mit aufnehmen und an die Jungen verfüttern. Ihren eigenen Energiebedarf decken sie ebenfalls durch regelmäßige Besuche an den Futterstellen. Sobald die Jungen ausgeflogen und selbständig sind ist dieser hohe Aufwand durch die Vögel nicht mehr zu erbringen und der Bedarf an hochwertigem und energiereichem Futter ist damit logischerweise wesentlich geringer.

2.

Sobald die Jungen ausfliegen werden sie sehr häufig an angebotenen Futterstellen oder in der unmittelbaren Umgebung von den Altvögeln weiter gefüttert. Dadurch ergibt sich innerhalb von wenigen Wochen eine Zunahme von Vögeln an den Futterstellen. Innerhalb weniger Tage verlassen jedoch die Jungvögel ihr Brutgebiet um sich eigene Reviere zu suchen. Da Meisen zum Beispiel in der Regel nur zwei Jahre leben, sind immer wieder neue Reviere zu besetzen. Daher verteilt sich die Schar der ausgeflogenen Jungvögel sehr schnell und die Anzahl an den Futterstellen nimmt ab.

Junge Meise wird mit Fettfutter gefüttert

3.

Gleich nach der Brutzeit beginnt für die Singvögel die Zeit der Mauser. Dabei haben sie wieder einen deutlich erhöhten Energiebedarf, um das neue Federkleid bilden zu können. Auch in dieser Zeit sieht man häufig vermehrt Vögel die Futterstellen aufsuchen und insbesondere Fettfutter und hochwertiges Körnerfutter aufnehmen. Oft sehen diese Vögel sehr zerzaust aus, aber nach einigen Wochen tragen sie wieder ihr neues, schönes und wunderbar gefärbtes Gefiederkleid.

Amsel beim Baden

4.

Im September und Oktober finden die Vögel glücklicherweise noch ein einigermaßen reiches Angebot an Beeren und Samen in den Gärten und Wäldern. Daher sieht man sie auch immer mehr in den Bäumen und Sträuchern nach Futter suchen und nicht so sehr an den angebotenen Futterplätzen. Sobald diese natürlichen Futterstellen allerdings abgeerntet sind, werden die Vögel sich wieder ab November verstärkt an den Futterstellen einfinden und dort gerne das zusätzliche Angebot annehmen. Daher ist es auch wichtig im September und Oktober nicht die Fütterung einzustellen sondern weiterhin durchzuführen, damit die Vögel wissen, wo sie in der Zeit und vor allem auch im Hinblick auf den Winter zusätzliche Futterquellen finden können.

5.

Einige Singvögel, die wir im Sommer an den Futterstellen beobachten können, brechen im September schon auf in ihre Winterquartiere. So fliegt zum Beispiel die Grasmücke zum Teil nach England oder auch nach Südeuropa um dort die kalte Jahreszeit zu verbringen. Auch Stare sammeln sich jetzt schon um Richtung Süden zu fliegen und zum Beispiel in den Weinanbaugebieten reiche Ernte zu machen.

Meise an halber Kokosnuss mit hochwertigem Fettfutter

Aus all diesen Gründen ist es nicht verwunderlich wenn es in den Monaten September und Oktober ein wenig ruhiger wird an unseren angebotenen Futterstellen. Dennoch ist es wichtig weiterhin dort hochwertiges Körnerfutter und Fettfutter auszulegen, damit die Vögel weiterhin an die Futterstellen gewöhnt sind und schon rechtzeitig für den Winter lernen wo sie Futter finden können.